Rømø Fiskeriforening← Zurück zur Website

Historische Dokumentation · 1975

Zwei Untersuchungen.
Ein seltener Einblick.

Die Originalberichte zeigen, wie die Nordseekrabbenfischerei vor Rømø im Herbst 1975 untersucht wurde. Wir erklären ihren Inhalt in verständlichem Deutsch. Die dänischen Originalscans sind unverändert erhalten und können weiter unten geöffnet werden.

Kurz gesagt

Was sagen die Berichte aus?

Die älteste vom Verein bislang aufgefundene Genehmigung stammt aus dem Jahr 1968. Sie dokumentiert mindestens 58 Jahre genehmigte Fischerei. In dem Gebiet wurde bereits früher gefischt, auch während seiner deutschen Zugehörigkeit. Die derzeit vorliegenden Unterlagen zeigen jedoch nicht, wie weit die Fischerei zurückreicht. 1968 ist daher das Jahr der frühesten dokumentierten Genehmigung und nicht notwendigerweise der Beginn der Fischerei.

Die Berichte dokumentieren, dass von Havneby aus bereits 1975 eine etablierte und spezialisierte Nordseekrabbenfischerei betrieben wurde. Kutter, Baumkurren, Rollen unter den Fanggeräten und die Arbeitsabläufe an Bord waren eigens für diese Fischerei entwickelt worden.

Die Untersuchungen zeigen zugleich, wie stark sich die Fangzusammensetzung von einem Untersuchungstag zum nächsten verändern konnte. Der Verfasser warnte deshalb davor, einzelne Proben als verlässliches Bild eines ganzen Fangjahres zu betrachten. Er forderte systematischere Untersuchungen und betonte, dass die praktische Erfahrung der Fischer unverzichtbar sei.

Für Rømø Fiskeriforening ist das ein entscheidender Punkt: Die Fischer sind Fachleute mit langjähriger Erfahrung. Ihr Ziel ist eine verantwortungsvolle Fischerei, die auch ihren Kindern und Enkeln eine Lebensgrundlage bieten kann. Deshalb liegt es in ihrem ureigenen Interesse, sowohl den Krabbenbestand als auch das Meer zu schützen, von dem sie leben.

Wichtiger Hinweis zu den Fanggeräten

1975 ist nicht
2026

1975 wurden noch nicht die selektiven Netze und Sortiergitter eingesetzt, die heutige Genehmigungen vorschreiben. Der gesamte Fang kam an Bord und wurde dort sortiert.

Die historischen Untersuchungen liefern daher wichtige Erkenntnisse zur Geschichte der Fischerei und zu den Schwankungen der Fänge. Sie beschreiben jedoch nicht die Wirkung der selektiveren Fanggeräte und Arbeitsabläufe, die heute verwendet werden.

019. Oktober 1975

Die erste Untersuchung

Die Untersuchung wurde von K. Albrechtsen durchgeführt. Zehn Kutter aus Havneby besaßen eine Genehmigung für die Versuchsfischerei mit Baumkurren und durften die Krabben an Bord kochen. Der Bericht beschreibt Kutter, Fangplätze, Fänge, Sortierung und Verarbeitung.

9.540 kgregistrierter Gesamtfang aus neun Hols
3 Fischezwei kleine Dorsche und eine Flunder unter den erfassten verwertbaren Fischen
Ein Tageine Momentaufnahme, kein Jahresdurchschnitt

Was ergab die Untersuchung?

An diesem Tag befanden sich viele untermaßige Krabben und kleine Fische im Fang. Der Bericht hielt fest, dass große Fänge und lange Wartezeiten vor dem Sortieren Tiere schädigen konnten, die wieder ausgesetzt werden sollten. Als Wege zu höheren Überlebensraten nannte er kürzere Hols, kleinere Fangmengen, ein schnelleres Zurücksetzen unter Wasserzufuhr und eine bessere Sortierung.

Zugleich betonte der Bericht, dass die Ergebnisse unter anderem von Fangplatz, Jahreszeit, Wassertiefe, Wetter und Strömung abhingen. Die bisherigen Untersuchungen seien zu punktuell gewesen, um daraus sichere allgemeine Schlüsse zu ziehen.

Dänischen Originalscan öffnen ↗
0212. November 1975

Die Folgeuntersuchung einen Monat später

Bei der Folgeuntersuchung wurde eine kleinere Baumkurre eingesetzt. Unter anderem verglich man Tages- und Nachthols an denselben Positionen. Die Ergebnisse unterschieden sich deutlich von denen im Oktober.

98,07 %des Fanggewichts bestand aus Krabben
1,93 %entfiel auf Beifang ohne Krabben
6 Holsbildeten die Grundlage des Untersuchungstages

Warum ist dieser Unterschied wichtig?

Im Oktober machte der Beifang ohne Krabben 48,15 Prozent aus, im November nur 1,93 Prozent. Dieser große Unterschied zeigt, weshalb ein einzelner Hol oder Untersuchungstag nicht ohne Weiteres die gesamte Fischerei abbilden kann.

Die Nachthols ergaben größere, vermarktungsfähige Krabben und einen höheren Ertrag pro Stunde; zugleich wurden mehr kleine Krabben aussortiert. Der Bericht empfahl weitere Überlebensversuche und eine fortlaufende Erfassung der Fangdaten.

Dänischen Originalscan öffnen ↗

Die Fischerei war bekannt und dokumentiert

Zwei Karten.
Dasselbe Seegebiet.

Die historische Seekarte zeigt Fangplätze westlich von Rømø und Mandø sowie das rot eingezeichnete Verbotsgebiet. Unterlagen der DTU aus dem Jahr 2001 zeigen erfasste Fänge und Anlandungen von Kuttern mit einer Genehmigung für die Nordseekrabbenfischerei.

Die Karten belegen, dass in und um das betreffende Seegebiet eine bekannte und dokumentierte Fischerei stattfand und dass staatliche Fischereibiologen gemeinsam mit den Fischern Untersuchungen durchführten. Nach Auffassung von Rømø Fiskeriforening zeigt das Material, dass die Behörden über viele Jahre von der Fischerei wussten.

Wichtige Einordnung: Die Karten belegen für sich allein weder eine rechtliche Ausnahme vom Fischereiverbot noch Minenfunde an den markierten Stellen.

Historische Seekarte von Rømø und Mandø mit einem rot schraffierten Gebiet westlich der Inseln
Historische Karte mit Fangplätzen und dem rot eingezeichneten Gebiet. Die ursprünglichen Markierungen wurden beibehalten.
DTU-Karte von 2001 mit erfassten Fängen und Anlandungen von Krabbenkuttern
Dänische Fischereiuntersuchungen, 2001: Karte der Fänge und Anlandungen. Die Legende der Quelle wurde beibehalten.

Unser Umgang mit den Quellen

Das Original steht immer an erster Stelle

Die Erläuterungen auf dieser Seite sollen die Berichte leichter verständlich machen. Zahlen und Schlussfolgerungen sollten stets anhand der dänischen Originalscans überprüft werden.

Die Berichte beschreiben die Fischerei des Jahres 1975. Sie dokumentieren Geschichte, Fanggeräte und damalige Untersuchungen, können aber für sich allein nicht die Kutter und Arbeitsweisen des Jahres 2026 beschreiben.